Rathlin Island

Rathlin (engl. Rathlin Island, ir. Reachlainn, früher Raghery Island) ist eine Insel vor der Nordostküste von Nordirland. An dieser Stelle sind es nur 25 Kilometer zur schottischen Halbinsel Kintyre. Die Insel ist L-förmig und misst von West nach Ost sieben, von Nord nach Süd vier Kilometer.

Rathlin ist bekannt bei Seevogelbeobachtern (RSPB Seabird Viewpoint im Westen der Insel; man sieht die Dreizehenmöwe und den Papageientaucher). Sie ist Special Area of Conservation (Besonderes Erhaltungsgebiet (BEG)), steht also teilweise unter Naturschutz. Ganz im Nordwesten liegt das Kebble Nature Reserve, mit dem Rathlin West Lighthouse an der Küste, aber nicht am westlichsten Punkt (diese Bull Point genannte Landspitze liegt gut 800 Meter weiter südwestlich). Auffällig sind die bis zu 70 Meter hohen Klippen. Die Insel ist fast baumlos und mit Heidekraut bewachsen. Die Bevölkerungszahl ist stark zurückgegangen und liegt bei etwa 100 Menschen.

Das community centre, die Pfarrkirche St. Thomas, Hafenanlagen und andere zentrale Einrichtungen befinden sich im Church Quarter an der gleichnamigen Church Bay.

Geschichte

Auf der Kalkstein- und Basaltinsel wurden Grabhügel, Cashels, Menhire, megalithische Ganggräber, Kirchen und Burgen errichtet. Die Untersuchung von drei Männerskeletten, die auf der Insel gefunden wurden und auf die Bronzezeit 2026–1534 v. Chr. datiert wurden, zeigten bei Untersuchungen des Genoms, das sie zu einer Gruppe von Menschen gehörten, die aus den Steppen des südlichen Russland nach Europa einwanderte und die zusammen mit Einwanderern aus dem Nahen Osten die Iren wurden.[2][3] Die Insel war 795 Opfer eines Wikinger-Überfalls. Der geflüchtete Robert the Bruce wurde in einer Höhle auf Rathlin dazu inspiriert, den Kampf für Schottland wieder aufzunehmen. 1898 experimentierte hier Guglielmo Marconi.

Bevölkerungsentwicklung

Die aktuelle Bevölkerung von nur rund 140 Personen (2019) ist sehr niedrig, verglichen mit früheren Einwohnerzahlen. 1841 hatte die Insel 1010 Einwohner in 165 Häusern. 1861 waren es nur noch 453 Einwohner in 80 Häusern. Die Anzahl der Bevölkerung und der Häuser fiel in 20 Jahren um die Hälfte. Hauptgrund ist, dass 1845 etwa 500 Menschen die Insel verließen und in die USA auswanderten, wie eine Plakette auf der Insel berichtet.

Der drastische Bevölkerungsverlust änderte nicht das geographische Siedlungsmuster der Insel – das von einer oder mehreren Häusergruppen in jedem Townland. Er reduzierte nur die Anzahl bewohnter Häuser in jeder Gruppe auf zwei oder drei. Im Fall von zwei Townlands, Kebble and Kilpatrick, führte das zur vollständigen Absiedlung. Bis 1926 nahm die Bevölkerung der Insel weiter ab bis auf 299 Einwohner in 71 Häusern, und auch das Townland Glebe wurde abgesiedelt.

Gliederung

Rathlin gehört zur traditionellen Baronie Cary (um den Ort Ballycastle) bzw. zum District Causeway Coast and Glens. Die Insel entspricht einer Civil parish und gliedert sich in 22 Townlands.

Verkehr und Tourismus

Erreichbar ist die Insel mehrmals täglich mit einer Autofähre der Gesellschaft Caledonian MacBrayne (10 km, 45 min.) zwischen Ballycastle und dem Hafen der Insel, Church Bay. Im Sommer werden zudem bei gutem Wetter von verschiedenen Anbietern Überfahrten mit Schnellbooten angeboten. Übernachtungen sind möglich; es gibt ca. 30 Betten auf der Insel. Teile der Insel im Norden (Ballyconagan Trails) stehen unter Schutz des National Trust. Die ca. 70 Bewohner der Insel leben heute u. a. von Fischfang (Krabben) und vom Verkauf von Kunstgewerbe (Keramik, Silberschmiedewaren, Holzschnitzereien). Informationen bekommt der Besucher im Boathouse Visitor Center (Mai–August) am Hafen von Church Bay. Möglich sind Wanderungen nach Nordosten zum East Lighthouse, nach Süden entlang dem Strand (Seehundbänke) zum Rue Point oder nach Westen bis Bull Point zur Vogelbeobachtung, außerdem gibt es Minibustouren und einen Fahrradverleih.

Mythologie

Rathlin ist laut „Buch der Eroberungen“ eines der Rückzugsgebiete der Fir Bolg nach der verlorenen Schlacht gegen die Túatha Dé Danann am Mag Tuired. In den „tragischen Geschichten der Kinder Tuireans und der Kinder Lirs“ kommt die Insel ebenfalls vor. Die Inselbewohner benannten die drei Windräder, die der Stromversorgung der Insel dienen, nach den in Schwäne verwandelten Kindern Lirs, „Aedh, Conn und Fiachra“.