Derry Girls

Die Kultserie aus Nordirland

Derry Girls: Die chaotische Welt der Teenager in den Troubles

Wenn du eine Serie suchst, die Humor, Herz und einen Hauch von Geschichte vereint, bist du hier genau richtig. «Derry Girls» ist eine Perle der modernen Fernsehkomödie, die das Leben von Teenagern in den 1990er Jahren in Derry, Nordirland, porträtiert, mitten in den Wirren der Troubles. Geschaffen von Lisa McGee, basiert die Serie auf ihren eigenen Erfahrungen und hat seit ihrer Premiere 2018 Millionen von Zuschauern begeistert. In diesem Beitrag tauchen wir tief in die Welt der Serie ein: von der Handlung über die Charaktere bis hin zu Themen, Rezeption und kulturellem Impact.

Der Hintergrund: Wie «Derry Girls» entstanden ist

«Derry Girls» wurde von der nordirischen Autorin Lisa McGee kreiert, die in Derry aufwuchs und ihre eigenen Jugenderinnerungen in die Serie einfliessen liess. Die Show ist eine Produktion von Hat Trick Productions und wurde hauptsächlich in Nordirland gedreht, vor allem in Derry und Belfast. Sie umfasst drei Staffeln mit insgesamt 19 Episoden, die zwischen 2018 und 2022 ausgestrahlt wurden. Die Serie spielt in den mittleren 1990er Jahren, einer Zeit, in der der Nordirlandkonflikt (bekannt als «The Troubles«) langsam abebbte, aber immer noch den Alltag prägte.

McGee wollte eine authentische Darstellung schaffen, keine glorifizierende Kriegsromantik, sondern den Alltag von normalen Menschen, speziell von jungen Mädchen, inmitten von Bombenanschlägen, Checkpoints und politischen Spannungen. Der Soundtrack mit Hits aus den 90ern wie The Cranberries‘ «Dreams» (das Ending-Theme) verstärkt das nostalgische Feeling. Interessanterweise integriert die Serie echte Archivaufnahmen von Figuren wie Bill Clinton oder Gerry Adams, um den historischen Kontext zu unterstreichen.

Die Produktion war nicht immer einfach: Die dritte Staffel wurde durch die COVID-19-Pandemie verzögert und erst 2022 abgeschlossen. Dennoch wurde «Derry Girls» zu Channel 4s erfolgreichster Komödie seit «Father Ted».

Bloody Sunday - Blutsonntag - Derry - Londonderry - Irland - Nordirland

Die Handlung: Chaos im Teenager-Leben

Die Serie dreht sich um eine Gruppe von fünf Teenagern an der fiktiven katholischen Mädchenschule Our Lady Immaculate College (basierend auf McGees eigener Schule, Thornhill College). Im Zentrum steht Erin Quinn, eine ambitionierte 16-Jährige, die von ihrem Alltag in einer chaotischen Familie und mit ihren Freundinnen erzählt. Die Handlung mischt alltägliche Teenager-Probleme, wie Partys, Crushes und Schulstress, mit dem Hintergrund der Troubles.

Jede Staffel deckt ein Schuljahr ab:

  • Staffel 1 (1994): Die Mädchen navigieren durch Schulfreundschaften, erste Lieben und absurde Missgeschicke, wie eine falsche Marienstatue, die «weint», oder eine IRA-Hoax-Bombe.
  • Staffel 2 (1995): Themen wie der IRA-Waffenstillstand und der Besuch von Präsident Clinton werden eingewoben, während die Gruppe Konzerte besucht und Familienhochzeiten feiert, inklusive verseuchter Hasch-Brownies.
  • Staffel 3 (1996-1998): Der Fokus liegt auf dem Good Friday Agreement (Karfreitagsabkommen). Episoden drehen sich um Schulreunions, Geisterjagden und Halloween-Partys, kulminierend in einer Special-Episode über die Friedensabstimmung.

Die Episoden sind kurz (ca. 22-45 Minuten) und enden oft mit einem Twist, der Humor und Ernsthaftigkeit balanciert. Historische Ereignisse wie der Waffenstillstand 1994 oder Clintons Besuch 1995 dienen als Kulisse, ohne die Komödie zu überladen.

Die Charaktere: Eine bunte Truppe voller Herz

Die Stärke von «Derry Girls» liegt in ihren unvergesslichen Charakteren, die von einem talentierten Ensemble verkörpert werden.

  • Erin Quinn (Saoirse-Monica Jackson): Die Protagonistin, ehrgeizig und dramatisch, träumt von einem Leben als Schriftstellerin. Sie ist oft eitel, aber tief im Herzen loyal.
  • Orla McCool (Louisa Harland): Erins exzentrische Cousine, süchtig nach Süssigkeiten und total abgedreht, sie tanzt Step-Aerobic zu den seltsamsten Zeiten.
  • Clare Devlin (Nicola Coughlan): Die Streberin der Gruppe, ängstlich und regelkonform. Sie outet sich als lesbisch in Staffel 1, was sensibel gehandhabt wird.
  • Michelle Mallon (Jamie-Lee O’Donnell): Die Rebellin, immer auf der Suche nach Trouble – Sex, Drogen und Partys sind ihr Ding.
  • James Maguire (Dylan Llewellyn): Michelles englischer Cousin, der als einziger Junge an der Mädchenschule landet. Er wird oft als «Wee English Fella» gehänselt, aber wird Teil der «Derry Girls».

Die Erwachsenen sind ebenso ikonisch: Die strenge Nonne Sister Michael (Siobhán McSweeney), Erins sarkastische Mutter Mary (Tara Lynne O’Neill) und der grantige Grossvater Joe (Ian McElhinney). Erins gutmütiger, aber oft überforderter Vater Gerry (Tommy Tiernan) sorgt mit seinem trockenen Humor für zusätzliche Komik. Recurring-Figuren wie der langweilige Onkel Colm (Kevin McAleer) sorgen für weitere Lacher.

Die Chemie zwischen den Darstellern ist magisch – viele Kritiker loben die «perfekte Besetzung».

Themen: Humor trifft auf Geschichte

«Derry Girls» ist mehr als nur Slapstick: Sie thematisiert Identität, Freundschaft und den Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten. Die Troubles werden nicht glorifiziert, sondern als lästiger Hintergrund dargestellt, Bombenalarme unterbrechen Partys, aber das Leben geht weiter. Themen wie Sexualität (Clares Coming-Out), Familienbande und der Friedensprozess werden einfühlsam behandelt.

Die Serie zeigt, wie Teenager in einer geteilten Gesellschaft aufwachsen: Episoden wie «Across the Barricade» (Staffel 2) bringen Katholiken und Protestanten zusammen, was zu komischen, aber nachdenklichen Momenten führt. McGee balanciert Leichtigkeit mit Ernst, was die Show zu einem «modernen Klassiker» macht.

Kultureller Impact: Von Murals bis Merch

Die Serie hat Derry zu einem Touristenmagneten gemacht: Ein Mural der Charaktere ziert eine Bar in der Stadt. Es gibt Bücher wie «Erin’s Diary» und sogar Referenzen in «The Simpsons». Der Cast trat in Specials wie «The Great British Bake Off» auf. «Derry Girls» hat geholfen, die Troubles für eine neue Generation zugänglich zu machen, humorvoll und respektvoll.

Fazit: Warum du «Derry Girls» schauen solltest

«Derry Girls» ist eine herzerwärmende Hommage an die Jugend in schwierigen Zeiten. Sie zeigt, dass Humor die beste Waffe gegen Chaos ist. Wenn du Serien wie «The Inbetweeners» oder «Fleabag» magst, wirst du «Derry Girls» lieben.