Belfast

Die Hauptstadt Nordirlands

Belfast ist die Hauptstadt von Nordirland im Vereinigten Königreich und nach Dublin die zweitgrösste Stadt auf der irischen Insel. Die lebendige Metropole hat rund 352’000 Einwohner (Stand 2024) und liegt malerisch an der Mündung des Flusses Lagan in die Bucht von Belfast (englisch: Belfast Lough).

Die Stadt besitzt den offiziellen Status einer City und ist zugleich einer der elf nordirischen Verwaltungsbezirke. Im sogenannten Dublin-Belfast-Korridor entlang der Autobahn lebt fast die Hälfte der gesamten Bevölkerung Irlands, rund drei von sechs Millionen Menschen.

Belfast ist nicht nur das politische Zentrum Nordirlands mit Regierungssitz und Regionalparlament, sondern auch ein wichtiges kulturelles und religiöses Zentrum. Hier befinden sich sowohl der katholische Bischofssitz des Bistums Down und Connor als auch der anglikanische Bischofssitz des Bistums Down und Dromore.

Als Universitätsstadt mit international anerkannten Hochschulen sowie einem bedeutenden Seehafen zieht Belfast Besucher aus aller Welt an. Historisch bekannt wurde die Stadt durch den Nordirlandkonflikt, der besonders in den 1970er Jahren innerstädtische Viertel prägte. Heute ist Belfast ein beliebtes Reiseziel mit spannender Geschichte, vielfältiger Kultur und zahlreichen Sehenswürdigkeiten, das sich perfekt für eine Städtereise in Irland eignet.

Name und Wahlspruch

Der Name Belfast leitet sich vom irischen Begriff Béal Feirste ab, was „Mündung des Farset“ bedeutet. Damit ist die Einmündung des kleinen Flusses Farset in den Lagan gemeint. Der Name „Farset“ wiederum stammt von „Sandbank“ und verweist auf die markanten Sandbänke, die sich früher an seiner Mündung befanden. Heute ist der Fluss im Stadtzentrum nicht mehr sichtbar, da er unterhalb der Bridge Street verläuft.

Belfast besitzt auch einen traditionsreichen Wahlspruch: „Pro tanto, quid retribuamus?“ – übersetzt „Für so viel, was sollen wir dafür zurückzahlen?“. Ursprünglich aus dem akademischen Umfeld der Universität stammend, sollte er Dankbarkeit gegenüber der Alma Mater ausdrücken. Im Laufe der Geschichte wurde der Spruch jedoch oft als kämpferischer Aufruf gedeutet und diente nicht selten als Schlachtruf.

Die Herkunft des Namens und das historische Stadtmotto spiegeln die tiefe kulturelle Bedeutung Belfasts wider und machen die Hauptstadt Nordirlands zu einem faszinierenden Reiseziel für geschichts- und sprachinteressierte Besucher.

Geschichte

Die Geschichte von Belfast reicht weit zurück. Bereits 1177 entstand auf dem heutigen Stadtgebiet eine normannische Burg. Die eigentliche Stadtgründung erfolgte 1603 durch Sir Arthur Chichester. Um die Region zu stabilisieren, förderte die englische Krone gezielt die Ansiedlung loyaler schottischer Presbyterianer, während Irland mehrheitlich katholisch blieb. Im 17. Jahrhundert brachten aus Frankreich geflohene Hugenotten ihre Kenntnisse ein und legten damit den Grundstein für die erfolgreiche Leinenindustrie Belfasts.

Im 18. Jahrhundert wurde der Hafen ausgebaut, und 1888 erhielt Belfast von Königin Victoria offiziell das Stadtrecht. Ein historisches Highlight ist der Bau der berühmten Titanic: 1912 verliess das weltbekannte Schiff die Werft Harland & Wolff in Belfast zu seiner ersten Reise.

Doch die Stadt war auch Schauplatz vieler Konflikte. Zwischen 1920 und 1922 starben im Zuge des Irischen Unabhängigkeitskriegs fast 500 Menschen. Ein wichtiges Signal setzte König Georg V. am 7. Juni 1921 in der Belfast City Hall, als er in seiner Rede zur Aussöhnung zwischen Nord- und Südirland aufrief. Im Zweiten Weltkrieg erlitt Belfast 1941 schwere Zerstörungen durch deutsche Luftangriffe.

Besonders prägend war der Nordirlandkonflikt, die sogenannten „Troubles“, die 1969 begannen und erst 1998 mit dem Karfreitagsabkommen offiziell beendet wurden. Danach erlebte die Stadt eine wirtschaftliche und touristische Wiederbelebung.

Auch die jüngere Geschichte zeigt, dass Belfast immer wieder Herausforderungen meistern musste: 2009 kam es zu rassistisch motivierten Ausschreitungen, die internationale Aufmerksamkeit auf sich zogen. Gleichzeitig bewahrt die Stadt ihr historisches Erbe, etwa mit Gedenkveranstaltungen wie jener am 31. Mai 2011 zum 100-jährigen Jubiläum des Stapellaufs der Titanic.

Heute verbindet Belfast seine bewegte Geschichte mit modernem Stadtleben und ist damit ein einzigartiges Ziel für alle, die Irland bereisen.

Stadtbild

Am zentralen Donegall Square befinden sich das Rathaus (engl. City Hall, 1906, im Rahmen von Führungen zu besichtigen) und die Linen Hall Library, eine öffentliche Bibliothek, gegründet 1788. Hier findet der Interessierte alles zum bewaffneten Kampf der Irish Republican Army und zum Friedensprozess.

In der Innenstadt befindet sich das Theater (engl. Grand Opera House), erbaut 1894 durch Frank Matcham. Gegenüber liegt der bekannteste Pub, der Crown Liquor Saloon, welcher auch der älteste Pub Nordirlands ist. An der Donegall Street, einen kurzen Fussmarsch von der City Hall entfernt, liegt die Kathedrale St. Anne’s der anglikanischen Church of Ireland.

Das Schloss auf dem Cavehill (engl. Belfast Castle) geht auf eine Normannenburg des 12. Jahrhunderts zurück.

Die Queen’s University hat rund 25.000 Studenten. Ihre Gebäude sind teilweise aus der Tudor-Zeit; sie hat einen vielbesuchten und besonders schönen Botanischen Garten. Neben der Queen’s University hat Belfast auch einen Campus der University of Ulster mit Hauptsitz in Coleraine.

Auf den Spuren des Nordirlandkonflikts kann sich der Besucher zur Peace Line begeben: In West Belfast (westlich der Schnellstrasse „West Link“) trennt diese Mauer die Gebiete der Falls Road (Wohngebiet katholischer Republikaner) von der Shankill Road (protestantische Unionisten). Die regulären Stadtrundfahrtprogramme zeigen die propagandistischen, murals genannten Wandgemälde sowohl im Falls- wie im Shankill-Viertel.

Etwa fünf Kilometer östlich der Innenstadt, in East Belfast, befindet sich das Gelände von Stormont Castle mit Sitz der Regierung von Nordirland.

Im vergangenen Jahrzehnt wurde das Flussufer neu gestaltet: Hotels und das Konferenzzentrum Waterfront Hall sind dort entstanden.

An der Antrim Road im Norden Belfasts liegt der Zoo der Stadt.

Kultur

Belfast ist der Sitz des einzigen Sinfonieorchesters Nordirlands, des Ulster Orchestra. Die 1788 gegründete Linen Hall Library ist die älteste Bibliothek der Stadt.

Das 1890 gegründete Ulster Museum bietet spektakuläre Funde des 1588 gesunkenen Schiffs „Girona“ (benannt nach der spanischen Provinz Girona), das zur spanischen Armada gehörte.

Auf der östlichen Seite des Flusses Lagan befindet sich das Odyssey Center mit grossem Saal für Sport und Konzerte, einem IMAX-Kino und einem grossen interaktiven Museum, W5 genannt.

Am 31. März 2012 wurde einen Titanic-Themen-Park eröffnet. Es liegt auf dem Gelände der früheren Werft Harland & Wolff und bildet das Zentrum eines neuen Stadtviertels, des Titanic Quarter in dem mit den Pain Hall Studios Europas vorgeblich grösstes Filmstudio liegt.

Wirtschaft und Infrastruktur

Seit Ende des 17. Jahrhunderts wuchs Belfast vor allem durch die Leinenindustrie zu einem bedeutenden industriellen Standort heran.

Die wachsende Nachfrage auch nach Trinkwasser wurde Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem Bau des Silent Valley Reservoir Rechnung getragen.

Erst mit der Erweiterung des Hafens Ende des 18. Jahrhunderts gewann auch der Schiffbau an grösserer Bedeutung. Die Stadt verfügt über das grösste Trockendock der Welt der Werft Harland & Wolff. Die Werft hatte bis zu 30.000 Mitarbeiter. Heute sind es 200.

In unmittelbarer Nachbarschaft zur Werft befinden sich in East Belfast die ausgedehnten Werkshallen des 1909 gegründeten Flugzeugherstellers Short Brothers, der sich zunächst bei der Herstellung des im Zweiten Weltkrieg eingesetzten Flugbootes S.25 Sunderland einen Namen machte. Ab den sechziger Jahren spezialisierte man sich auf den Bau von zivilen und militärischen Transportmaschinen und schrieb mit der Herstellung der „Short Belfast“, dem drittgrössten von Propellerturbinen angetriebenen Transportflugzeug der Welt, Luftfahrtgeschichte. 1989 wurde das Werk für 30 Millionen Pfund Sterling an die Firma Bombardier verkauft.

Im Jahre 1979 errichtete die De Lorean Motor Company (DMC), das 1982 insolvent gewordene Unternehmen des amerikanischen Sportwagenbauers John De Lorean, eine Fabrik im Belfaster Vorort Dunmurry. Hier wurde bis 1983 der legendäre DeLorean DMC-12 produziert.

Belfast ist der Sitz zweier Fernsehsender, des BBC Northern Ireland und des privaten Fernsehsenders UTV; die grössten Zeitungen sind The Irish News und The Belfast Telegraph.

Durch das Hafenviertel Titanic Quarter, in dem sich mit dem Northern Ireland Wissenschaftspark, dem Paint Hall Studio, dem Titanic-Themen-park, Public Record Office of Northern Ireland mehrere Wirtschafts- und Industriezweige angesiedelt haben, hat Belfast an britischen und internationalen Tourismus zugenommen.

In einer Rangliste der Städte nach ihrer Lebensqualität belegte Belfast im Jahre 2018 den 68. Platz unter 231 untersuchten Städten weltweit. Die Hauptstadt der Republik Irland, Dublin, belegte Platz 34.

Verkehr

Es gibt keine Strassen- oder U-Bahn. Der öffentliche Personennahverkehr erfolgt über Busse, die sich im Zentrum der Stadt treffen. Das System ist sternförmig angelegt. Es gibt keine durchgehende Verbindungen von Nord nach Süd. Der Umsteigepunkt im Zentrum hat verschiedene Namen: City Centre, Donegal Square, Howard Street. Sie alle befinden sich aber am selben Platz oder in unmittelbarer Nähe des Platzes.

Northern Ireland Railways betreibt den Bahnverkehr in Nordirland. Es bestehen von Belfast innernordirische Verbindungen nach Derry~Londonderry und Portrush über Ballymena und Coleraine, Bangor, Larne über Carrickfergus (mit Anschluss an Fähren nach Stranraer (Schottland) und Douglas (Isle of Man)), sowie Newry über Lisburn und Portadown; diese Züge fahren vom Bahnhof Belfast Great Victoria Street ab. Auf der Strecke in Richtung Portadown verkehren auch die gemeinsam mit der irischen Staatsbahn Iarnród Éireann betriebenen Schnellzüge Enterprise, letztere bedienen in Belfast den Bahnhof Lanyon Place.

Belfast verfügt über zwei Flughäfen, den International Airport etwa 24 Kilometer westlich der Stadt und den unmittelbar östlich der Stadt gelegenen George Best City Airport, der über die Buslinie 600 mit der Innenstadt verbunden ist.

Fährverbindungen bestehen vom Belfaster Fährhafen (Belfast Ferry Port) aus nach Liverpool (Stena Line) sowie nach Stranraer in Schottland (Stena). Im Sommer bedient die Isle of Man Steam Packet Company darüber hinaus noch die Route nach Douglas auf der Isle of Man.

Sport

Belfast hat einen der bekanntesten Eishockey-Clubs des Vereinigten Königreichs, die Belfast Giants, welcher in der 8700 Besucher fassenden Odyssey Arena beheimatet ist.

Des Weiteren erfreuen sich die traditionellen irischen Sportarten Gaelic Football und Hurling besonders im katholisch-irischen Bevölkerungsteil hoher Beliebtheit. Die Spiele der Auswahl der Grafschaft Antrim in der jeweiligen Sportart werden im Roger-Casement-Park ausgetragen, ein 21.000 Zuschauer fassendes Stadion im Belfaster Stadtteil Andersonstown.

In der IFA Premiership, der höchsten Fussball-Spielklasse in Nordirland, sind derzeit fünf Belfaster Mannschaften vertreten. Dies sind neben dem 1879 gegründeten Cliftonville FC, des ältesten Fussballvereins in Irland, die wegen ihrer Dominanz in der Liga als „Big Two“ bekannten Glentoran FC und Linfield FC wie auch der im Norden der Stadt ansässige Verein Crusaders FC und der Aufsteiger Donegal Celtic FC aus West Belfast. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts lebte die nordirische Fussball-Liga von der Rivalität zwischen Linfield FC und dem in West-Belfast spielenden Belfast Celtic FC. 1949 zog sich der erfolgreiche katholische Verein zurück, nachdem in einem Spiel gegen Linfield Zuschauer das Spielfeld stürmten und Spieler tätlich angriffen. Bereits zwischen 1920 und 1924 sah sich Belfast Celtic gezwungen, sich wegen politischer Unruhen vom Spielbetrieb zurückzuziehen.

Internationale Begegnungen der Auswahl des nordirischen Fussballverbands IFA (Irish Football Association) finden in aller Regel im rund 20.000 Besucher fassenden Windsor Park in South Belfast statt, der zugleich dem Linfield FC als Heimkulisse dient.

Der gemischtreligiöse Fussballverein Bankmore Star löste sich 1972/73 im Zuge des Nordirlandkonflikts auf.

Die Spiele des Clubs Ulster Rugby, der als Unterverband der Irish Rugby Football Union (IRFU) die Provinz Ulster repräsentiert, finden im Ravenhill Stadium statt, das ein Fassungsvermögen von 12.500 Zuschauern besitzt. Der bisher grösste Erfolg gelang Ulster Rugby im Januar 1999 mit dem Gewinn des Rugby-Europapokalwettbewerbs Heineken Cup.

Seit 2005 wird in der Waterfront Hall von Belfast das Snookerturnier um die Northern Ireland Trophy ausgetragen.

Politik

Ausgehend vom Zentrum (City Center) spricht man in Belfast geografisch von Nord-, Süd-, Ost- und West-Belfast. Dies entspricht auch den vier Wahlkreisen zum britischen Parlament. Eine Autobahn sowie der Fluss Lagan mit seiner Mündung in die Bucht von Belfast sind hierbei gebaute bzw. natürliche Grenzen.

Neben den Wahlen für das Unterhaus gibt es auch Wahlen für das nordirische Parlament und das Europaparlament.

Im Mai 2011 wurde mit dem 25-jährigen Niall Ó Donnghaile von der Sinn Féin der jüngste Bürgermeister (Lord Mayor) in der Geschichte Belfasts bestimmt.

Belfast - Irland
Quellenangabe:
Wikipedia
Sehenswürdigkeiten in Irland:
Armagh - Irland
Bunbeg - Irland
Dungloe - Irland