Armagh

Armagh ([ɑɹˈmɑː]; irisch Ard Mhacha [ard ˈwaˑxə], „Höhe der (Göttin) Macha“) ist eine Stadt in Nordirland mit dem Status einer City und Sitz der historischen Grafschaft Armagh. Sie war der Verwaltungssitz des ehemaligen Districts Armagh, der 2015 im District Armagh, Banbridge and Craigavon aufging. Armagh liegt etwa 65 km (40 Meilen) südwestlich von Belfast.

Geschichte und Bedeutung

Der Legende nach wurde Armagh 444 durch den Heiligen Patrick gegründet. Aus historischer Sicht greifbarer ist der Umstand, dass Armagh aufgrund von Hinweisen in Patricks Schriften sehr früh mit ihm fest assoziiert wurde. Das wohl um Patricks Zeit (möglicherweise wirklich von ihm selbst) gegründete Kloster von Armagh nutzte diese Assoziation in den folgenden Jahrhunderten machtpolitisch geschickt aus, wobei den Abtbischöfen dabei wohl der Umstand behilflich war, dass sich mit dem Navan Fort (Emain Macha) ein altes Machtzentrum des nördlichen Irlands in unmittelbarer geographischer Nähe befand. Durch Ansammlung von Reliquien und Begründung von Weihestätten für Patrick entstand eine unauflöslich scheinende Verbindung zwischen dem Verkünder des Christentums und dem Bischofssitz. Trotz anfänglichen ernsthaften Rivalitäten mit anderen irischen Klöstern war Armagh bereits im Frühmittelalter die unbestrittene kirchenpolitische Macht mit bedeutendem weltlichen Einfluss.

Bis heute ist Armagh daher ein religiöses und spirituelles Zentrum Irlands: Es ist sowohl der Sitz des anglikanischen als auch des römisch-katholischen Erzbischofs. Beide führen den Titel Archbishop of Armagh (Erzbischof von Armagh) und Primate of All Ireland (Primas von ganz Irland).

Im Kloster von Armagh entstand wahrscheinlich auch um 807 die Sammelhandschrift Book of Armagh, die neben lateinischen Texten auch einige der ältesten Texte in irischer Sprache enthält. Zu den lateinischen Texten gehören u. a. zwei Viten Patricks sowie weitere Schriften über ihn. Im ebenfalls im Book of Armagh enthaltenen Liber Angueli werden Patrick (und damit, nach allgemeiner Auslegung, Armagh) von einem Engel die Primasrechte über ganz Irland erteilt. Die irischsprachigen Stellen bilden die ersten erhaltenen zusammenhängenden Texte in irischer Sprache. Es handelt sich vorwiegend um Kommentare zu ausgewählten Teilen der Bibel.

Auf dem Friedhof der Saint Patrick’s Cathedral (heute im Besitz der anglikanischen Church of Ireland) wurde Brian Boru begraben, unter dessen Führung 1014 die letzte große Schlacht gegen die Wikinger gewonnen worden war.

Am 12. Juni 1889 ereignete sich nahe Armagh das so genannte Armagh rail disaster, ein Eisenbahnunglück, bei dem über 80 Menschen, meist Schulkinder, getötet wurden.

Religion

Die Konfessionen sind in Armagh so verteilt: 71,2 % der Bevölkerung gehören der römisch-katholischen Kirche an, 25,5 % sind Protestanten, überwiegend Mitglieder der anglikanischen Church of Ireland. 3,3 % gehören einer anderen oder keiner Glaubensgemeinschaft an.

Das römisch-katholische Erzbistum Armagh umfasst auch Gebiete, die zur Republik Irland gehören, die anglikanische Diözese Armagh beschränkt sich auf das Gebiet von Nordirland. Die Oberhäupter beider Bistümer/Diözesen sind Erzbischof von Armagh und Primate of All Ireland (Primas von ganz Irland). Auch die jeweiligen Kathedralen sind beide dem irischen Nationalheiligen St. Patrick geweiht.

Sehenswürdigkeiten
  • Die St Patrick’s Cathedral der Church of Ireland stammt aus dem Jahr 1268 und wurde 1834 restauriert. Sie steht auf dem Hügel, auf dem der Heilige Patrick 445 die erste Kirche gebaut haben soll.
  • Die römisch-katholische St.-Patricks-Kathedrale im neogotischen Stil wurde im Jahr 1840 begonnen und 1904 geweiht. Sie ist eine der größten Kirchen Irlands.
Sonstiges

In Armagh befindet sich eine Außenstelle der Queen’s University of Belfast sowie eine Sternwarte (Armagh Observatory) mit Planetenweg.

Das Armagh-Frauengefängnis spielte im Nordirlandkonflikt eine besondere Rolle. Es ist seit 1986 geschlossen, die ab 1780 errichteten Gebäude stehen seit 1975 unter Denkmalschutz.